interkulturellvermitteln
Klang einer Kultur
Fünf Stücke aus fünf kurdischen Sprachräumen – sie laufen nacheinander weiter, während die Gäste eintreffen.
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Von Halabdscha nach Luzern
- 1960
Geboren in Halabdscha im kurdischen Norden des Irak. Studium an einer technischen Universität, drei Jahre Berufsschullehrerin, Bildungsarbeit für Frauen.
- 1988
Giftgasangriff auf Halabdscha. Flucht in den Iran – fünf Jahre in einem Lager, danach Rückkehr und Wiederaufbau.
- 1998
Erneute Bedrohung, Flucht nach Europa. Ankunft in der Schweiz mit Mann und Sohn – über Chiasso nach Luzern.
- Heute
Zuhause in Horw, Schweizer Bürgerin. 24 Jahre interkulturelle Dolmetscherin und Vermittlerin.
Eine Flucht in sieben Stationen
Stationen auf der Karte anklicken oder durchblättern.
Von der Deutschstunde zum Fachausweis
Grundkurs Deutsch, Vereine, Integrationsprogramme – «Wenn ich Dolmetscherin werde, kann ich helfen.»
Grundkurs interkulturelle Dolmetscherin – Start beim Dolmetschdienst Zentralschweiz der Caritas Luzern.
Drei INTERPRET-Zertifikate, SRK-Pflegehelferin, Betriebsführung, Computerkurse, regelmässige Supervision.
Lebensraum-Preis der Stiftung «quer: Luzern – Lebensraum für die Zukunft».
Eidgenössischer Fachausweis «Fachfrau für interkulturelles Dolmetschen und Vermitteln» (SBFI, Bern).
Zwei Jahre über das Pensionsalter hinaus im Einsatz – Pensionierung per 31. Juli, nach über 11'500 Stunden.
Mehr als übersetzen
Dolmetschen
- ✓Genau, vollständig und beidseitig übersetzen
- ✓Berufskodex INTERPRET als verbindliche Grundlage
- ✓Verschwiegenheit und Unparteilichkeit
- ✓Qualitätssicherung durch Weiterbildung und Supervision
Vermitteln
- ✓Kulturelle Hintergründe sichtbar machen
- ✓Missverständnisse klären, bevor sie wachsen
- ✓Lösungsansätze anbieten, Gespräche aktiv moderieren
- ✓Auf unterschiedliche Lebenswelten eingehen
24 Jahre Einsatz, messbar gemacht
2002–2026
dazu etliche Dialekte
FABIA im Kanton Luzern
der Caritas Luzern
Ein Elterngespräch über die Einstufung
Eltern aus dem Irak wünschen für ihr Kind das Gymnasium – die Lehrperson empfiehlt einen anderen Weg. Die Stimmung ist angespannt.
Bildung hat einen sehr hohen Stellenwert. Vielen Eltern wurden die eigenen Chancen durch Krieg und Flucht verwehrt – nun sollen die Kinder sie erhalten.
Ich erkläre das Schweizer Bildungssystem: dass etwa nach einer Lehre mit Berufsmatura ein Studium möglich ist. Der Druck weicht – ein realistischer Weg entsteht.
«Man muss sich hohe Ziele setzen, aber sie sollen realistisch sein.»
Vermitteln, wo das Leben beginnt
mamamundo
Geburtsvorbereitungskurse für Migrantinnen – vom frühen Morgen im Gebärsaal bis zur Nachbetreuung.
Hausbesuche
Familienbegleitung der Mütter- und Väterberatung der Stadt Luzern – Vertrauen aufbauen, zu Hause.
Basisinfokurse
Für die Dienststelle Asyl- und Flüchtlingswesen des Kantons Luzern: Grundregeln und Pflichten in der Schweiz.
Intervision
Leitung von Fachgruppen für Berufskolleginnen und -kollegen – Erfahrung strukturiert weitergeben.
Kurdinnen und Kurden aus dem Nordirak
Kurdische Bevölkerung nach Land
Eines der grössten Völker ohne eigenen Staat – insgesamt schätzungsweise 30–40 Mio. Menschen, dazu eine grosse Diaspora in Europa. Es gibt keine offiziellen Erhebungen.
Eine Sprache, vier Teile
Kurdisch gehört zu den iranischen Sprachen. Übersicht nach: Nishtman Strategy Institute, 2025 – vereinfacht.
Alaya Kurdistanê
Proportion 2 : 3 · Sonnenscheibe = ½ der Flaggenhöhe · 21 Strahlen · 1998 standardisiert, 1999 vom Parlament der Region Kurdistan anerkannt.
Was den Kurdinnen und Kurden heilig ist
Zagros, Taurus und Qendîl prägen über die Hälfte der Topographie Kurdistans. Die Berge waren immer Zuflucht und Rückhalt – daher das Sprichwort: «Die Kurden haben keine Freunde ausser den Bergen.»
Symbol für Leben und Ursprung, verwurzelt in den alten Glaubenstraditionen der Region. Ihre 21 Strahlen verweisen auf den 21. März – Newroz, das kurdische Neujahrs- und Frühlingsfest.
Die beiden Blumen stehen für die Schönheit der kurdischen Natur und für den Frühling. Als Metapher und Motiv kehren sie in Dichtung und Musik immer wieder.
Die verbreitetste Baumart der Region Kurdistan und des Zagros – allein im Südteil wachsen fünf Arten. Sie steht für Standhaftigkeit und tiefe Verwurzelung im eigenen Boden.
Treuer Begleiter in Kunst, Erzählungen und Liedern – ein Symbol für Freiheit, Würde und Stolz.
Fünf Einsichten aus 24 Jahren
«Das Wichtigste für mich ist der Respekt gegenüber jedem Menschen.» Ohne diese Haltung bleibt jede Übersetzung Technik – mit ihr wird sie Verständigung.
Oft genügt es, wenn das System erklärt wird – etwa das Schweizer Bildungssystem mit seinen Anschlusswegen. Wer versteht, muss nicht überredet werden.
Neutral zu bleiben war für mich am Anfang schwer, weil ich Flucht selbst erlebt habe. In den Kursen der Caritas habe ich gelernt, mich abzugrenzen – das ist entscheidend, um langfristig helfen zu können.
Interkulturelle Vermittlung entlastet beide Seiten: die Migrationsbevölkerung und die Fachpersonen. Nur gemeinsam lassen sich Barrieren überwinden – gerade in der Bildung gibt es noch viel Potenzial.
Durch diese Arbeit habe ich unzählige Kontakte gewonnen und mich nie isoliert gefühlt. Ich habe jeden Tag gelernt – über die Sprache, die Kultur und die Menschen. Wer vermittelt, kommt selbst an.
Herzlichen Dank
Supas
Dies ist mein letztes Referat: Ende Juli 2026 wurde ich pensioniert. 24 Jahre lang durfte ich Brücken bauen – zwischen Sprachen, Kulturen und Menschen, vom Gebärsaal bis zum Gerichtssaal. Ich danke allen, die mich auf diesem Weg begleitet haben, von Herzen.