interkulturellvermitteln
Klang einer Kultur
Kurdische Musik in fünf Dialekten – ein Querschnitt durch Sprache und Seele.
Kurdinnen und Kurden aus dem Nordirak
Kurdische Bevölkerung nach Land
Dialekte nach Region
Nordkurdistan · Türkei
Kurmandschi · Zazaki
Südkurdistan · Irak
Sorani · Kurmandschi · Gorani
Westkurdistan · Syrien
Kurmandschi
Ostkurdistan · Iran
Sorani · Südkurdisch · Gorani
Geschätzt 30–45 Mio. Menschen, grosse Diaspora in Europa. Eines der grössten Völker ohne eigenen Staat.
Quellen: Wikipedia «Kurdish population», Washington Kurdish Institute, GOV.UK 2025
Grosskurdistan: 409’650 km² – aufgeteilt zwischen Türkei (47,5%), Iran (30,5%), Irak (17,6%) und Syrien (4,4%). Einzige autonome Region: Südkurdistan (Irak).
Die kurdische Flagge
Farben und Sonne als geteiltes Zeichen von Geschichte, Hoffnung und Neubeginn.
Identität wird sichtbar – nicht als Grenze, sondern als Orientierung.
Von Halabdscha nach Luzern
Eine persönliche Lebenslinie zwischen Bildung, Flucht, Wiederaufbau und Ankommen.
Ashti Hama-Amin · Fachfrau für interkulturelles Dolmetschen und Vermitteln mit eidg. Fachausweis
Geboren in Halabdscha. Studium, drei Jahre Berufsschullehrerin, Bildungsarbeit für Frauen.
Giftgasangriff auf Halabdscha. Flucht in den Iran – fünf Jahre im Lager, Rückkehr und Wiederaufbau.
Erneute Bedrohung, Flucht nach Europa. Ankunft in der Schweiz – über Chiasso nach Luzern.
Zuhause in Horw, Schweizer Bürgerin. 24 Jahre interkulturelle Dolmetscherin und Vermittlerin.
Mehr als übersetzen
Dolmetschen
Vermitteln
Was ist interkulturelles Vermitteln?
Interkulturell Vermittelnde unterstützen die Verständigung zwischen einheimischer und zugewanderter Bevölkerung – durch Information, Begleitung im Integrationsprozess und Partizipation auf Projektebene.
Zugang zu Regelstrukturen und Angeboten erleichtern
Gegenseitige Verständigung verbessern
Chancengleichheit fördern
Partizipation am gesellschaftlichen Leben stärken
Prävention von Diskriminierung und Rassismus
Was interkulturell Vermittelnde tun
Aufgaben
Setting
Kompetenzen interkulturell Vermittelnder
Gute Deutschkenntnisse (mind. Niveau B2) und vertiefte Kenntnisse in mindestens einer Migrationssprache. Nachgewiesene Kompetenzen im interkulturellen Dolmetschen. Grundlegender Fachwortschatz in den relevanten Themenbereichen.
Wertschätzender und konstruktiver Kommunikationsstil. Fähigkeit, sprachliche und kulturelle Barrieren zu erkennen und zu überwinden. Kultursensibles Informieren und Beraten. Umgang mit unterschiedlichen Wertvorstellungen und Normen.
Informationsveranstaltungen und Workshops planen und durchführen. Migrant:innen im Integrationsprozess begleiten. Perspektive der Migrationsbevölkerung in Projektarbeit einbringen. Zusammenarbeit mit Fachpersonen und Institutionen.
Grundkenntnisse des schweizerischen Bildungs-, Gesundheits- und Sozialsystems. Relevante Informationen weitergeben. Kenntnis der Rechtsgrundlagen im Bereich Migration und Integration.
Regelmässige Reflexion der eigenen Arbeit und Rolle – durch Supervision und Intervision. Orientierung am Berufskodex von INTERPRET und berufsethischen Grundsätzen.
Ein Elterngespräch über die Einstufung
Irakische Eltern kommen zum Schulgespräch. Ihr Sohn soll aufs Gymnasium – die Lehrperson empfiehlt die Sekundarschule. Die Mutter weint, der Vater wird laut. Beide haben durch Krieg und Flucht nie studieren können. Für sie steht alles auf dem Spiel.
Ich erkläre den Eltern das Schweizer Bildungssystem: dass eine Lehre mit Berufsmatura den Weg an die Fachhochschule öffnet. Ich übersetze nicht nur die Worte, sondern auch die kulturellen Erwartungen – in beide Richtungen. Der Druck weicht, ein realistischer Plan entsteht.
Ohne Vermittlung hätten beide Seiten den Raum frustriert verlassen. Mit Vermittlung entstand Verständnis.
Im Gebärsaal – zwischen zwei Welten
Frühmorgens im Spital: Eine junge Kurdin aus dem Nordirak steht kurz vor der Geburt. Sie spricht kein Deutsch, hat Angst, und versteht nicht, was die Hebamme ihr erklärt. Ihr Mann darf nicht im Raum bleiben – kulturell undenkbar für die Familie.
Ich bin für sie Stimme und Brücke zugleich: Ich erkläre der Frau jeden Schritt, übersetze ihre Wünsche ans Team und vermittle dem Ehemann, dass seine Frau in guten Händen ist. Im Programm mamamundo begleite ich Migrantinnen durch Geburtsvorbereitung und Nachbetreuung.
Vermittlung beginnt dort, wo das Leben beginnt – und genau dort ist sie am wichtigsten.
Fünf Einsichten aus 24 Jahren
«Das Wichtigste für mich ist der Respekt gegenüber jedem Menschen.» Ohne diese Haltung bleibt jede Übersetzung Technik – mit ihr wird sie Verständigung.
Oft genügt es, wenn das System erklärt wird – etwa das Schweizer Bildungssystem mit seinen Anschlusswegen. Wer versteht, muss nicht überredet werden.
Neutral zu bleiben war am Anfang schwer, weil ich Flucht selbst erlebt habe. In den Kursen der Caritas habe ich gelernt, mich abzugrenzen – entscheidend, um langfristig helfen zu können.
Interkulturelle Vermittlung entlastet beide Seiten: die Migrationsbevölkerung und die Fachpersonen. Nur gemeinsam lassen sich Barrieren überwinden – gerade in der Bildung gibt es noch viel Potenzial.
Durch diese Arbeit habe ich unzählige Kontakte gewonnen und mich nie isoliert gefühlt. Ich habe jeden Tag gelernt – über die Sprache, die Kultur und die Menschen. Wer vermittelt, kommt selbst an.
















Herzlichen Dank
Supas
Dies ist mein letztes Referat: Ende Juli 2026 wurde ich pensioniert. 24 Jahre lang durfte ich Brücken bauen – zwischen Sprachen, Kulturen und Menschen, vom Gebärsaal bis zum Gerichtssaal. Ich danke allen, die mich auf diesem Weg begleitet haben, von Herzen.